UPC_CFI_550/2024 – Collomix v Lidl

Court
Local Division Munich
Date
Outcome
Granted
Sector
Other
Decision Type
PROCEDURAL

Expert Commentary

Late evidence? Background On 18 October 2024, the Statement of Claim was served on the defendant. The complaint states that the Parkside water dosing unit (“the Product”) infringes the patent. On 24 October 2024, the claimant states in a written submission that it wants to produce a sample of the Product to the Court. The JR gives defendants the possibility to respond. The defendant asks not to allow the request because it violates R. 171.1 RoP, as the request to produce a sample should have been stated in the Statement of Claim. Decision: 1. The Court points to R. 172.2 RoP (which stipulates that at any time, the Court can order a party who makes a statement of fact, to produce evidence of that fact which is in his possession) to show that not all evidence has to be produced or announced in the Statement of Claim. 2. There is no rule in the Rules of Procedure that obliges a party to put all his evidence already in the Statement of Claim. 3. A distinction must be made between putting evidence in the proceedings and what evidence can be considered for making the decision. Comment: 1. In this case the decision is fully understandable, as the claimant made very clear in its Statement of Claim which product of the defendants was infringing and why, and the defendants of course know their own product. The defendant therefore had no interest to refuse the production of the product itself, announced well before the Statement of Defence was due. 2. However, the general statement of the Court that the RoP has no rule that obliges a party to produce its evidence in the Statement of Claim is in my view incorrect and seems based on the custom in German national proceedings. 3. R. 13.1 RoP states clearly that evidence where available should be “included in the Statement of Claim”. In my view, this means that available evidence, including evidence which can be available (such as expert reports and/or witness statements), should in principle be produced with the Statement of Claim. The Court of Appeal has softened this Rule to a certain extent in Sanofi v Amgen (UPC_COA_320/223), by allowing such evidence to submitted somewhat later, and at the same time extending the term for the Statement of Defence until three months after the submission of the evidence. 4. The reference to R. 172.2 RoP is correct, but in my view cannot mean that a claimant, who did not include certain relevant and available evidence in the Statement of Claim, can be “saved” because the JR or the Court will at a later stage order the production of such evidence, thereby denying the defendant the right to discuss that evidence during the written proceedings. That would be contrary to the front-loaded character of UPC proceedings. Of course, all depends on the circumstances of the case (see also the general principles of the Rules of Procedure).

Full Decision Text

Lokalkammer München UPC_CFI_550/2024 Anordnung des Gerichts erster Instanz des Einheitlichen Patentgerichts erlassen am 21. November 2024 Leitsätze: Die Verfahrensordnung des EPG enthält keinen Grundsatz, nach dem Beweismittel für sich aus der Klage ergebende Tatsachenbehauptungen der Klagepartei nach Einreichung der Klage nicht mehr vorgelegt werden dürfen. UPC_CFI_550/2024 2 KLÄGERIN Collomix GmbH, Daimlerstraße 9, 85080 Gaimersheim, Deutschland vertreten durch: Axel Oldekop BEKLAGTE 1. Lidl Digital Deutschland GmbH & Co. KG, Stiftsbergstraße 1, 74172 Neck- arsulm, Deutschland 2. Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG, Bonfelder Straße 2, 74206 Bad Wimp- fen, Deutschland vertreten durch: Karsten Königer 3. Delta-Sport Handelskontor GmbH, Wragekamp 6, 22397 Hamburg, Deutschland vertreten durch: Theo Schubert UPC_CFI_550/2024 3 Sachverhalt Die Klägerin hat am 24.09.2024 die unter dem Aktenzeichen UPC_CFI_550/2024 ge- führte Klage eingereicht. In der Klageschrift werden Wasserdosiervorrichtungen unter der Modellbezeichnung „PARKSIDE® Wasser-Dosiergerät“ als angegriffene Ausführungsformen benannt. Als Zeitpunkt der Zustellung der Klage an die Beklagten ist im CMS der 18.10.2024 notiert. Mit Schriftsatz vom 24.10.2024 hat die Klägerin b e a n t r a g t, dem Gericht ein physisches Exemplar der angegriffenen Ausführungsform „PARKSIDE® Wasserdosiergerät“ inkl. Orginalverpackung, Bedienungsanlei- tung und einen passenden Schraubendreher vorlegen zu dürfen. Der Berichterstatter hat den Beklagten die Möglichkeit eingeräumt, zu diesem Antrag schriftlich Stellung zu nehmen. Der Vertreter der Beklagten zu 1) und 2) hat von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und mit Schriftsatz vom 20.11.2024 mitgeteilt, der Antrag sei abzulehnen, da nach Re- gel 171.1 EPGVerfO die Angabe des Beweismittels und der Antrag auf Vorlage des physischen Beweismittels bereits zusammen mit der Klageschrift hätte gestellt werden müssen. Seitens der Beklagten sei die Verletzung bereits vorprozessual bestritten wor- den. Eine Stellungnahme der Beklagten zu 3) ist nicht erfolgt. UPC_CFI_550/2024 4 Gründe Auf den Antrag der Klägerin hin ist die Vorlage des physischen Exemplars der ange- griffenen Ausführungsform „PARKSIDE® Wasserdosiergerät“ inkl. Orginalverpackung, Bedienungsanleitung und eines passenden Schraubendrehers anzuordnen. Nach Regel 172.2 EPGVerfO kann das Gericht zu jedem Zeitpunkt des Verfahrens anordnen, dass eine Partei, die eine Tatsache behauptet, die in ihrer Verfügungsgewalt befindlichen Beweismittel vorlegt. Die Klägerin behauptet, das „PARKSIDE® Wasserdosiergerät“ werde von den Beklag- ten zu 1) du 2) angeboten und vertrieben. Sie behauptet weiter, das Klagepatent werde durch das „PARKSIDE® Wasserdosiergerät“ verletzt. Die Klägerin beantragt, ein ent- sprechendes Gerät, welches sich in ihrer Verfügungsgewalt befindet, vorlegen zu dür- fen. Regel 172.2 EPGVerfO knüpft die Befugnis des Gerichts, die Vorlage eines Beweis- mittels anzuordnen, lediglich daran, dass eine Partei eine Tatsache behauptet und diesbezüglich Beweismittel in ihrer Verfügungsgewalt hat. Die Klägerin behauptet, das „PARKSIDE® Wasserdosiergerät“ werde von den Beklag- ten zu 1) du 2) angeboten und vertrieben. Die Klägerin hat weiter mitgeteilt, im Besitz eines solchen Gerätes zu sein. Damit sind die Tatbestandsvoraussetzungen der Regel 172.2 Satz 1 EPGVerfO erfüllt, so dass eine Vorlageanordnung ergehen kann. Ein vorprozessuales Bestreiten einer Tatsachenbehauptung führt nicht ohne weiteres dazu, dass entsprechende Beweismittel nur mit der Klage angegeben werden können und zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr vorgelegt werden dürfen. Bislang haben die Beklagten zu 1) und 2) ohnehin nicht bestritten, das „PARKSIDE® Wasserdosier- gerät“ angeboten zu haben. Es ist nach allem kein Grund ersichtlich, der das Gericht dazu veranlassen könnte, die Vorlage des „PARKSIDE® Wasserdosiergerät“ nicht anzuordnen. Die Parteien sind zwar gehalten, ihre Argumente im Verfahren so früh wie möglich vollständig vorzubrin- gen (Ziffer 7. der Präambel der EPGVerfO). Die Verfahrensordnung enthält allerdings keinen Grundsatz, nach dem Beweismittel für Tatsachenbehauptungen der Klagepar- UPC_CFI_550/2024 5 tei nach Einreichung der Klage nicht mehr vorgelegt werden dürfen; andernfalls be- stünde für die Regeln 103.1 (c), 104 (e), 172.2 und 114 EPGVerfO keine Grundlage. Zu unterscheiden ist ohnehin zwischen der Vorlage eines Beweismittels und der Frage, ob es bei der Entscheidung berücksichtigt werden kann. Der Berichterstatter hat die Pflicht, alle notwendigen Vorbereitungen zu treffen, so dass später eine Vertagung der mündlichen Verhandlung mit dem Zweck, zu weiterem Be- weisantritt aufzufordern (Regel 114 EPGVerfO), vermieden wird. Diesem Zweck dient Regel 172.2 EPGVerfO. Aus den vorgenannten Gründen ergeht durch den Berichterstatter folgende Anordnung Die Klägerin hat dem Gericht ein physisches Exemplar der angegriffenen Ausführungs- form „PARKSIDE® Wasserdosiergerät“ inkl. Orginalverpackung, Bedienungsanlei- tung und einen passenden Schraubendreher vorzulegen. München, den 21. November 2024 Pichlmaier Berichterstatter

Key Holdings

  • The Court ruled that not all evidence must be produced or announced in the Statement of Claim, citing R. 172.2 RoP which allows the Court to order production of evidence at any time.
  • A distinction was made between introducing evidence into proceedings and evidence considered for the final decision.
  • The commentator questioned the Court's general statement, arguing that R. 13.1 RoP implies available evidence should generally be included in the Statement of Claim, aligning with the front-loaded nature of UPC proceedings.

Tags

  • Evidence
  • Pleadings
  • Procedural Issues
  • Rules of Procedure
  • Statement of Claim

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