UPC_ CFI_869/2025 – Dai Nippon v Zapp
- Court
- Local Division Düsseldorf
- Date
- Outcome
- Partially Granted
- Sector
- Other
- Decision Type
- PROCEDURAL
Expert Commentary
Task of the JR Facts 1. The claimant Dai Nippon asked for an extension of term. 2. The claimant complained that in their rejoinder defendant Zapp made a fully new and elaborate statement with respect to the infringement case and the main invalidity case with respect to the request for amendment. 3. The claimant asked to specifically dismiss specified parts of the submission or alternatively give them three weeks to react in a further submission. The JR 1. The question of what is allowed with respect to new documents and new arguments is a “Sachfrage” (the material case) and not of case management. 2. As this decision has to be taken by the whole panel the JR considers it to be better to make that decision after the oral argument. That way the whole panel has read the whole file. 3. The JR grants the right to a further pleading within three weeks as this does also not lead to a delay of the decision. Comment 1. In my opinion, this is an understandable but incorrect decision. 2. The problem is an application of the Rules of Procedure. 3. The UPC works with a JR which should be on top of the case from day 1 and should resolve procedural issues. It is unsatisfactory (as in this case) if a defendant just ignores the Rules of Procedure and acts as if he is in German national proceedings. 4. This is also very unsatisfactory for the claimant, who now has to prepare a further brief and respond to all the new arguments, which in all likelihood should have never been part of the litigation. Finally, as parties have argued about it, there is a likelihood that the Court is inclined to accept the new arguments. 5. This is even more unsatisfactory given that the claimant specifically indicated what should not be allowed. Furthermore, in the rejoinder to the request for amendment of the patent, one cannot respond to the infringement case or the invalidity of the granted patent. 6. In my opinion, the JR should have given the defendant two weeks to respond to the claimant’s complaints and should have made a decision may be delaying a decision on unclear or debatable issues to the oral hearing.
Full Decision Text
1 Lokalkammer Düsseldorf UPC CFI 869/2025 Verfahrensanordnung des Gerichts erster Instanz des Einheitlichen Patentgerichts betreffend das EP 3 805 415 erlassen am 28. April 2026 Klägerin und Nichtigkeitsbeklagte: Dai Nippon Printing Co., Ltd., vertreten durch die Geschäftsführung, diese vertreten durch ihren Vorsitzenden Herrn Yoshinari Kitajima, 1-1-1, Ichigaya-Kagacho, Shinjuku-ku, Tokyo 162- 8001, Japan vertreten durch: Rechtsanwalt Dr. Soenke Fock, Rechtsanwalt Thorben Strich, Rechtsanwalt Jan-Caspar Maiers, Rechtsanwalt Alex-Christian Lesch, Wildanger Kehrwald Graf von Schwerin & Partner mbB Rechtsanwälte, Couvenstraße 8, 40211 Düsseldorf, Deutschland Patentanwalt Dr.-Ing. Jochen Kapfenberger, Patentanwalt Georg Tully, Patentanwalt Dr. Frederik Tenholt, Cohausz & Florack Patent- und Rechtsanwälte PartG mbB, Bleichstraße 14, 40211 Düsseldorf, Deutschland elektronische Zustelladresse: DNP-Zapp-EP415@wildanger.eu Beklagte und Nichtigkeitswiderklägerinnen: 1. Zapp AG, vertreten durch den Vorstand, Dr. Stefan Seng (Vorstandsvorsitzender) und Daniela Scheidsteger, Letmather Straße 69, 58239 Schwerte, Deutschland 2. Zapp Precision Metals GmbH, vertreten durch die Geschäftsführer Malte Edward Dotzel, Edo Ollermann, Dr. Evelin Ratte, Britta Van Beurden, Letmather Straße 69, 58239 Schwerte, Deutschland Beklagte zu 1) und 2) vertreten durch: Rechtsanwalt Holger Stratmann, Rechtsanwalt Dr. Henrik Vocke, Rechtsanwalt Philipp Zambelli, HOFFMANN EITLE Patent- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbB, Arabella-straße 30, 81925 München, Deutschland 2 STREITPATENT: EUROPÄISCHES PATENT NR. 3 805 415 SPRUCHKÖRPER/KAMMER: Spruchkörper 1 der Lokalkammer Düsseldorf MITWIRKENDE RICHTER: Diese Anordnung wurde durch die rechtlich qualifizierte Richterin und Berichterstatterin Dr. Zhilova erlassen. VERFAHRENSSPRACHE: Deutsch GEGENSTAND: Regel 9.2 VerfO – Unberücksichtigung von Beweismitteln oder Argumenten Regel 36 VerfO – Weiterer Austausch von Schriftsätzen ZUSAMMENFASSUNG DES SACHVERHALTS: 1. Mit einem Schriftsatz vom 23. April 2026 hat die Klägerin eine Verspätungsrüge nach R. 9.2 VerfO erhoben, verbunden mit einem vorsorglichen Antrag auf Zulassung des Aus- tauschs weiterer Schriftsätze nach R. 36 VerfO. 2. Die Klägerin und Widerbeklagte hat geltend gemacht, dass die Beklagten und Nichtig- keitswiderklägerinnen in ihre Duplik auf den Änderungsantrag im Nichtigkeitsverfahren vom 13. April 2026 einen gänzlich neuen und umfangreichen Tatsachenvortrag zur Ver- letzungsklage und zum Hauptantrag auf Nichtigerklärung des Patents aufgenommen hätten. Dies gelte zum einen für den gesamten Vortrag der Beklagten in den Abschnit- ten B. und C. der „Duplik“ zum Änderungsantrag, also in den Rz. 14 bis 149, denn dieser Vortrag verhalte sich insbesondere zum Patent gemäß Hauptantrag, aber nicht zu den Hilfsanträgen, wobei die Beklagten mit ihren Überschriften zu Abschnitt B. („Mangelnde Ausführbarkeit der Hilfsanträge“) und Abschnitt C. („Mangelnde Patentfähigkeit der Hilfsanträge“) hierüber hinwegzutäuschen versuchten. Zum anderen gelte dies insbe- sondere für die folgenden Anschnitte von B. und C., in denen jedenfalls neuer, bislang – soweit ersichtlich – nicht in der Akte befindlicher Vortrag enthalten sei: - Abschnitt B. betreffend Aufstiegsgeschwindigkeiten und ChatGPT-Berech- nungen, Rz. 15-20, - Abschnitt C.I.1. betreffend Rohdaten und Schwärzungen in Rz. 24-28 inkl. HE 158, - Abschnitt C.I.2.a) (i) betreffend „keine explizite Geheimhaltungsverein- barung mit Ever-Display Optronics“ in Rz. 39-42 inkl. HE 159, - Abschnitt C.I.2.a) (iii) betreffend Materialnummern in Rz. 46-50, - Abschnitt C.I.2.aa) (ii) betreffend “special stress relieved vs entspannt” in Rz. 58, 3 - Abschnitt C.I.2.ab) (i) betreffend Oberfläche „reflecting“ in Rz. 64, - Abschnitt C.I.2.ab) (ii) betreffend Materialnummer in Rz. 66, - Abschnitt C.I.2.ab) (iii) betreffend Gewicht in Rz. 70-72, - Abschnitt C.I.2.ab) (iv) betreffend Lagerorte in Rz. 74, - Abschnitt C.I.2.ac) betreffend Oberfläche „reflecting“ und „special stress re- lieved“, Rz. 77-78, - Abschnitt C.I.2.b) betreffend Invar-Folie zu Fertigungsauftragsnummer in Rz. 84-85, - Abschnitt C.I.2.bb) betreffend Lieferungen an LG Innotek Co. Ltd. in Rz. 104- 106 inkl. HE 160, - Abschnitt C.I.3.a) betreffend „Analyseergebnisse plausibel“ in Rz. 109-113, - Abschnitt C.I.3.b) betreffend „Messergebnisse vertrauenswürdig“ in Rz. 115-121 inkl. HE 158, - Abschnitt C.I.3.c) betreffend „Statistische Signifikanz der Analyseergebnisse“ in Rz. 123-130, inkl. HE 161, - Abschnitt C.II.1. betreffend Merkmal 1 in Rz. 135-140 inkl. HE 162, - Abschnitt C.II.2. betreffend Merkmalsgruppe 3 in Rz. 144-149. ANTRÄGE DER PARTEIEN: 3. Die Klägerin beantragt, 1) diesen neuen Tatsachenvortrag basierend auf R. 9.2 VerfO nicht zuzulassen bzw. ihn bei der Entscheidungsfindung nicht zu berücksichtigen (Ver- spätungsrüge), vorsorglich 2) der Klägerin auf Basis von R. 36 VerfO zu erlauben, einen weiteren Schrift- satz innerhalb einer Frist von drei Wochen einzureichen. BEGRÜNDUNG DER ANORDNUNG 4. Die Zulässigkeit der von den Parteien vorgebrachten Dokumente und Argumente ist eine Sachfrage und keine Frage der Verfahrensleitung. Ob die Ausführungen der Be- klagten in ihrer Duplik auf den Änderungsantrag für die Entscheidung im vorliegenden Fall relevant sind sowie ob sie verspätet eingereicht wurden und daher unberücksichtigt bleiben müssen, erfordert eine eingehende Analyse. Was die erste Instanz betrifft, kann 4 eine solche Beurteilung erst am Ende der mündlichen Verhandlung mit Sicherheit vor- genommen werden (vgl. UPC CFI 850/2024, LD Mannheim, Anordnung vom 13. Januar 2026, ZTE gegen Samsung; UPC CoA 298/2024, UPC CoA 299/2024, UPC CoA 300/2024, Anordnung vom 24. September 2024, OPPO OPORE gegen Pa- nasonic). 5. Daher fällt die Zulässigkeit der Ausführungen der Beklagten in ihrer Duplik auf den Änderungsantrag nicht in die Verfahrensleitungsbefugnisse des Berichterstatters und muss durch den gesamten Spruchkörper entschieden werden. Aus diesen Gründen hält es die Berichterstatterin gemäß Regel 102.1 VerfO für angemessen, die Entscheidung über Verspätungsrüge der Klägerin zurückzustellen, so dass der gesamte Spruchkörper in oder nach der mündlichen Verhandlung darüber entscheiden kann. 6. Allerdings ist der Klägerin im Hinblick auf das Prinzip der Waffengleichheit vorsorglich und ohne Präjudiz im Hinblick auf die Frage der Zulassung des weiteren Vorbringens der Beklagten eine weitere Gelegenheit zur Stellungnahme zum Tatsachenvortrag der Be- klagten einzuräumen. Da die mündliche Verhandlung für den 17. September 2026 an- beraumt wurde, führt die eingeräumte Stellungnahmefrist von drei Wochen nicht zu einer unnötigen Verzögerung des Verfahrens und ist als angemessen zu betrachten. 7. Mit dem Ablauf der Stellungnahmefrist gilt das schriftliche Verfahren als abgeschlossen, R. 36 S. 2 VerfO. ANORDNUNG: 1. Die Entscheidung über die Verspätungsrüge der Klägerin vom 23. April 2026 ge- mäß Regel 9.2. VerfO wird zurückgestellt. Über diese wird der gesamte Spruchkör- per, falls notwendig, in der oder im Anschluss an die mündliche Verhandlung ent- scheiden. 2. Die Klägerin hat bis zum 19. Mai 2026 Gelegenheit, zu den unter Randziffer 2 der vorliegenden Anordnung genannten Ausführungen der Beklagten Stellung zu neh- men. Mit Ablauf dieser Frist gilt das schriftliche Verfahren als abgeschlossen. NAME UND UNTERSCHRIFT: Dr. Tatyana Zhilova rechtlich qualifizierte Richterin und Berichterstatterin
Key Holdings
- The Judicial Rapporteur (JR) should actively manage procedural issues from day one, including the admissibility of new arguments and documents.
- New and elaborate statements in a rejoinder, especially concerning infringement or invalidity, should be strictly controlled according to the Rules of Procedure.
- Deferring decisions on the admissibility of new arguments to the full panel after oral arguments is considered unsatisfactory and can burden the claimant.
- The JR should ensure that parties adhere to the Rules of Procedure and do not introduce new arguments inappropriately.
- Granting an extension for a further pleading without addressing the admissibility of new arguments can lead to unnecessary work and potential acceptance of improper submissions.
Tags
- Case Management
- Procedural Rules
- Rejoinder
- Judicial Rapporteur
- New Arguments
- Extension of Term